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Kapitel I: Piraten, Pannen, Pleitegeier

Greed

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Gut gelaunt lief ein seit langer Zeit endlich mal wieder ausgelasteter Fischmensch so schnell er konnte hinter den zwei merkwürdigen Eindringlingen her. Und tatsächlich gelang es ihm, sie kurz vor dem See einzuholen. Das breite Maul ließ einen beinahe hämischen Grinser erkennen. Eingekesselt waren sie. Vor ihnen ein Hüne von einem Fischmenschen, hinter ihnen das feuchte Element. Selbst wenn sie versuchen sollten, davonzuschwimmen, wäre es kein Problem ihnen zu folgen. Im Wasser wäre er ihnen wohl noch weitaus überlegener, Menschen hatten es ja nicht so damit, was in dieser Welt, die zum größten Teil mit Wasser bedeckt ist, eigentlich schon recht ungünstig ist.
Das nicht besonders große Gehirn des Schlägers war auf Kämpfen eingestellt und in ihm brannte das Verlangen, seine Fäuste gegen die Feinde zu schlagen und dann diesem bemalten Menschlein über das Gesicht zu lecken, um ENDLICH herauszufinden, wie diese verdammte Farbe schmeckte! Dieser Gedanke nervte ihn schon die ganze Zeit, da er noch nie so komisch bemalte Leute gesehen hatte. Die Neugierde war auf jeden Fall geweckt. Der Zitteraal-Fischmensch konnte den feuchten Uferschlamm auf seinen Füßen spüren, wie er an den Seiten über seine Latschen schwappte und die Füße benetzte, während das Schwergewicht ein wenig einsank. Er mochte dieses nasse, leicht kalte Gefühl. Doch nun musste seine Aufmerksamkeit seinem Gegner gelten, denn der Eindringling zog ein blankes Schwert, eine schöne Klinge. Die große Schlabberzunge des Hünen wanderte noch kurz vorne über die Schnauze, bevor der Feind zu sprechen begann. "An deiner Stelle würde ich zurück in das Rattenloch fliehen, aus dem du gekrochen bist, du Mistvieh, andernfalls mach ich gleich Sushi aus dir!" Innerlich begann der fast drei Meter große Fischmensch zu glucksen und bloß seinem Widerwillen, seine Stimme erklingen zu lassen, war es geschuldet, dass er die Klappe geschlossen hielt. Doch da er sich so sehr auf die Unterdrückung des Lachens konzentrierte, rutschte ihm eine Antwort auf diese offenkundige Herausforderung heraus. "Dann versuch das doch, kleines Menschlein." In diesem Satz schwang eine gewisse Arroganz mit, denn der Gourmet konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, wie ein Mensch, den er nun anhand ihrer irgendwie zarten Stimme als Frau zu erkennen glaubte, in dieser unpraktischen Tracht und diesem schmalen Körperbau zu einer ernsthaften Bedrohung werden konnte. Er hatte noch nicht mit so vielen richtigen Kämpfern zu tun gehabt, doch alle waren sie groß und stark gewesen wie der Doc oder auf dieser nervige Chef der Wache. Und so waren zumindest in seiner Vorstellung alle Kämpfer groß, stark und muskulös.
Als Bartleby realisierte, dass er gerade gesprochen hatte, war er zunächst sehr erschrocken, da man ihn unmöglich ernst nehmen konnte, nachdem er dies getan hatte. Doch in dem gefärbten Gesicht der Frau konnte man keinen Ausdruck des Hohns oder des Spottes lesen, sondern ebenfalls einen Schock oder sogar Furcht. Sie war anders als die anderen Menschen, die er bisher getroffen hatte, das sagte ihm ein besonderes Kribbeln. Als hätte er lebendige Schmetterlinge... auf der Zunge.
Doch es bleib keine lange Zeit, um sich diese Frau besonders anzusehen. Denn plötzlich erhob sich ein schwarzer Schatten aus den Fluten hinter den beiden Eindrinlingen. Die Frau schien sich dessen in keinster Weise bewusst zu sein, doch der Knilch, der noch immer neben ihr im Matsch hockte, hatte die dunkle Bedrohung wohl erkannt und auch, wie schrecklich diese war. Unwillkürlich wich der junge Wachmann ein wenig zurück und starrte die Kreatur fassungslos an. Wie hatte er so lange hier auf diesem Anwesen sein können, ohne auch nur ein Wort von diesem Biest zu hören außer den dauernd wechselnden Gerüchten über irgendwelche Monster auf dem Anwesen oder die Hirngespinste von diesem Sven. Ob die anderen das wohl wussten und ihm verschwiegen hatten? Das würde zumindest das Schwimmverbot erklären. Noch immer glotzte Bart das Weichtier aus seinen kleinen Äuglein an, das eine Auge starr und weit geöffnet, das andere mit einer gefühlten Frequenz von in etwa 1000 Herz am Zucken. DAS war das größte und merkwürdigste und doch beeindruckendste Wesen, das ihm jemals über den Weg gelaufen war. Doch schien es nicht besonders gut gelaunt zu sein, denn nur Augenblicke, nachdem es sich aus dem kühlen Nass erhoben hatte, schnappten die Tentakeln nach den beiden Fremden, die sich praktisch direkt vor diesem Wesen befanden.
Bartleby moch ein treuer Wachmann sein, doch er hatte einfach das Gefühl, dass es nicht so enden durfte. Man wurde nicht von einem Tintenfisch gegessen, man aß Tintenfisch. Tintenfisch war Fisch und Fisch schmeckte gut. Zudem war diese Frau seltsam und der Gourmet wollte einerseits wissen, warum, und andererseits konnte er nicht mehr erfahren, wie diese Farbe in ihrem Gesicht schmeckte, wenn der Kopffüßer sie vorher verschlungen hatte. Kurzentschlossen sprang der Arzt nach vorne und schlug mit den Fäusten nach den Tentakeln, um zu verhindern, dass diese Lace erwischten. Tatsächlich gelang es ihm, zwei der knochenlosen Extremitäten zu treffen, doch eine dritte erwischte Sheng an einem Fuß und riss ihn mit einem leichten Ruck aus dem Schlamm und wollte ihn hoch in die Luft ziehen, woraufhin dieser wie ein kleines Mädchen zu kreischen begann. Bart könnte schwören, dass er nach kurzer Zeit den Ultraschallbereich erreichte, denn er konnte das Geschrei nicht mehr wahrnehmen. Doch eigentlich hatte dem halben Hemd nur die Stimme versagt. Allerdings war die Schwertkämpferin nun wieder geistesgegenwärtig und vollführte einen unerwartet schnellen Streich mit ihrem Schwert, welcher den Tentakel in etwa halb durchtrennte. Violettes Blut von einer hohen Viskosität flog durch die Luft und wäre es dem Gnom möglich gewesen, wäre er wohl zu Asche verbrannt, als er einen Tropfen dieser Flüssigkeit abbekam. So begnügte er sich damit, sich hastig mit dem erstbesten Material abzuwischen, nachdem er sich wieder aus dem Modder des Untergrundes empor gekämpft hatte.
Der Fischmensch indes hatte ein anderes Problem, denn ein anderer Tentakel hatte sich von der Hüfte bis zum Brustkorb um ihn geschlungen und ihn in eine luftige Höhe von drei oder vier Metern gehoben. Fast schon aus Überlebensreflex stemmte er seine Hände gegen den Tentakel und versuchte sich aus dem Griff zu befreien. Dann setzte ein Instinkt ein, an den Bartleby sonst sicher nicht gedachte hätte. Er spannte seine speziellen, Elektrizität erzeugenden Muskelgruppen an und übertrug diesen Strom über die Hände in den Tintenfisch. Wohl eher aus Schreck über den plötzlichen Schock als weil er tatsächlich verletzt wäre, entfernte dieser den saugnapfbesetzten Arm von dem Arzt und ließ diesen in das dunkle Wasser platschen. Natürlich war dem Zitteraal-Fischmenschen klar gewesen, dass er über diese Fähigkeit verfügte, doch es war ihm in dieser Situation einfach nicht in den Sinn gekommen, sie einzusetzen. Doch nun im kühlen Nass fühlte sich Bart pudel-... nein, fischmenschenwohl. Wie ein Fisch, der nach langer Zeit auf dem Trockenen endlich wieder zurück ins Wasser kam, schwamm er kurz freudig herum, bevor ihm klar wurde, dass er nicht allein in diesem Gewässer war, sondern ein gigantischer Tintenfischverschnitt auch noch da war und versuchte, ihn zu essen.
Schleunigst schwamm der große Blaue zurück zu dem Ufer, von dem er gekommen war. Dabei kam ihm seine Wendigkeit zugute, denn unterwasser gelang es ihm weitaus besser, den langen Tentakeln zu entgehen, die ihn zu schnappen versuchten. In der Tat kam er nahe der unbekannten Schwertkämpferin wieder an die Oberfläche, die alle Hände voll damit zu tun hatte, auf angreifende Tentakel einzustechen oder -hacken und dabei gleichzeitig den Tölpel zu ihren Füßen zu beschützen und dabei Schritt für Schritt den Rückzug anzutreten, was wohl in dieser Situation eindeutig die klügste Entscheidung war, wie der Fischmensch erst jetzt richtig realisierte. Das Biest war zu groß und stark und wenn sie nicht flohen, würden sie verspeist werden. Eigentlich war das schade, denn Bartleby hätte zu gerne gewusst, wie dieses Tier selbst geschmeckt hätte, doch das musst doch noch nicht zu spät sein. Der Schläger griff nach einem der Tentakel, die eigentlich ihn greifen wollten, fuhr seine lange Zunge aus und schleckte ihn ab. Erst dann bemerkte er, dass der Tintenfisch ihn mittels des Tentakels hochgeschleudert hatte und als er losließ selgelte er einem fliegenden Fisch gleich durch die Lüfte und landete mit einem lauten Plumps und einem Aufschrei von Sheng auf ebendiesem. Im Flug hatte er den Geschmack des schwarzen Tintenfisches analysiert. Generell konnte man sagen, dass er ähnlich wie Shrimps schmeckte, doch auch ein Hauch von Meersalz war zu erkennen. Das Vieh hatte wahrscheinlich irgendwann einmal im South Blue selbst gelebt und war durch den einen oder anderen Zufall hier gelandet, wo es ihnen nun zum Problem geworden war. Zum Glück war der Boden noch immer relativ aufgeweicht durch die Wassermassen, die der Kopffüßer bei jeder Bewegung auf den umliegenden Rasen verteilte. Doch damit war die Kreatur sichtlich nicht zufrieden, denn sie setzte nach und verließ sogar den See. Die vielen Schnittwunden an den Spitzen seiner Extremitäten sowie der Elektroschock mussten es doch aus dem Wasser gebracht haben, um die Beute endlich zur Strecke zu bringen.
Das Wesen versuchte sich den Fischmenschen zu angeln, doch dieses mal rettete ihn die Dame mit dem farbigen Gesicht. Bartleby verstand nicht, warum sie das tat, doch die stach mit ihrem Schwert, welches inzwischen eine recht violette Farbe angenommen hatte, mitten in einen Saugnapf und sorgte so dafür, dass er sich kurz zurückzog. Den nächsten Tentalel konnte sich der Arzt wieder selbst vornehmen, indem er ihn kurzerhand packte und die rechte Faust anspannte, was einen elektrischen Schlag auslöst, was ebenfalls momentanen Rückzug des Tentakels zur Folge hatte.
Das war die Möglichkeit für die Flucht. Alleine aus Reflex, Bart dachte sich nichts dabei, doch er zog Theodor an seinem Hemdkragen aus dem Matsch und wollte ihn sich gerade über die Schulter werfen, um mit ihm entkommen zu können, so wie auch die Dame gerade zur Flucht ansetzte als sie sah, dass sie sich um Theodor keine Gedanken machen musste, als ihn hinterrücks ein Tentakel streifte. Bartleby stolperte durch den Impuls nur kurz nach vorne, doch der Brillenträger wurde voll erwischt und segelte durch die kühle Luft in einem hohen Bogen. Zum Glück flog er in die richtige Richtung.
Der Fischmensch und die Schwertkämpferin setzten sich beinahe simultan in Bewegung, um von dem Feind weg und zu Theodor hinzukommen. Nun, da sie sich auf festem Grund und Boden befanden, kamen sie schnell voran und es gelang ihnen schließlich, die Bedrohung hinter sich zu lassen und sich in den sicheren Wald zu flüchten, auch wenn sie auf den ersten Metern noch immer von ein paar Tintenfischextremitäten zwischen den Bäumen durch gejagt wurden. Mit einem lauten Schrei krachte Theodor durch die Baumkronen und glücklicherweise befand sich da Bartleby, welcher den Fallenden auffangen konnte. Dieser schien sich kurz vor dem potenziellen Aufprall auf den Boden jedoch selbstständig ausgeklinkt zu haben. Denn er war bewusstlos und sabberte beinahe so schlim wie der Fischmensch selbst. Dieser leckte Sheng erst einmal quer über das Gesicht, doch der Geschmack war exakt das, was er erwartet hatte. Angstschweiß. Und er war sich nicht hundertprozentig sicher, doch er glaubte auch den Geruch von Urin wahrnehmen zu können. Schwer seufzend ob dieser... Schwächlichkeit... verdrehte der Schläger die Augen und ließ den regungslosen, jedoch zweifelsohne lebendigen und nur leicht lädierten Körper fallen wie einen Sack Kartoffeln. Aus solchen Momenten sollte er mal eine Lehre ziehen.
 

Jool

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Was für eine wundervolle Insel! Endlich mal ein Eiland, das LaCroixs kulturellen Ansprüchen genügte und nicht nur aus Holzhüttendörfern und Analphabeten bestand! Wo die Menschen nicht nur die ganze Zeit über die nächste Ernte redeten, sondern die Taten und Werke eines Künstlers zu würdigen wussten! Und kaum schlecht gekleidete Marineeinheiten, die durch die Straßen patroullierten und schon durch ihre bloße Anwesenheit eine Beleidigung für sämtliche Sinne darstellten. Schon seit über einen Monat war er jetzt auf Lumiere und hatte unglaublich interessante Menschen kennen gelernt und neue, einmalige Erfahrungen gemacht. Doch langsam wurde es Zeit, die Insel zu verlassen und sich auf die Suche nach neuen, einmaligen Inspirationen zu machen. Aber zunächst gab es noch ein großes Mysterium zu klären. Genauer gesagt eine Person, die seine Aufmerksamkeit erregt hatte und sich doch immer wieder seinem Zugriff entzogen hatte. Ein weibliches Wesen, wie es LaCroix noch nie zuvor gesehen hatte und das sich doch mit beharrlicher Kontinuität immer wieder seinem Zugriff entzogen hatte.
Der Terrortranse kam es immer noch wie ein Traum vor, als er am Tag seiner geplanten Abreise über den gut besuchten Marktplatz geschlendert war und sich nichtsahnend über das Angebot eines Obsthändlers gebeugt hatte. Doch dann geschah es. Aus den Augenwinkeln sah der strahlend pinke Ritter, wie sich ein graziles Wesen durch die Menschenmengen bewegte. Als LaCroix dann den Kopf in ihre Richtung bewegte, gelang es ihm geradeso, einen kurzen Blick auf die junge Frau zu erhaschen, bevor sie schon wieder aus seinem Blickfeld verschwunden war. Anhand ihres Kimonos und der auffälligen Schminke erkannt der Newkama, dass es sich bei dieser Frau eindeutig um eine Geisha handelte. Also mit anderen Worten eine Edeldirne, die im Gegensatz zu ihren Kolleginnen am Hafen für ihre Dienste das zehnfache des handelsüblichen Preises verlangte. Auch wenn die tuckige Tunte bisher noch nie einer Geisha begegnet war, so war ihm dennoch bewusst, dass diese Frau vollkommen anders war als alle Menschen, mit denen er bisher zu tun hatte. Er musste unbedingt ein paar idyllische Stunden mit ihr verbringen und war sogar bereit, sie dafür zu bezahlen. Aber natürlich nicht, um mit ihr eine Runde „Hoppe Hoppe Reiter“ zu spielen und seine niederen Gelüste zu befriedigen. Dafür hatte diese Geisha für seinen Geschmack zuviel oberhalb und zuwenig unterhalb der Hüfte. Stattdessen wollte er ein anregendes Gespräch mit ihr führen, sie über ihr Leben ausfragen, warum sie ihren Körper für schnödes Geld verkaufte und noch vieles, vieles mehr. Und vielleicht, wenn dann noch Zeit war und seine Finanzen es zuließen, würde er noch ein wunderschönes Nacktportrait von ihr zeichnen.
Nachdem LaCroix mit ein paar Menschen gesprochen hatte, fand er heraus, dass diese Geisha schon länger auf der Insel lebte und mit ihrer Dienerin in einem etwas abgeschiedenen Häuschen wohnte.
Unverzüglich machte sich der Newkama auf den Weg und überlegte währenddessen, wie er das erste Zusammentreffen mit der Geisha besonders spektakulär gestalten konnte. Als LaCroix dann in Sichtweise des Hauses kam, sah er, wie sch die Tür öffnete. Instinktiv versteckte sich die Tunte hinter einem Baum und beobachtete das Geschehen. Zwei Personen verließen das Haus. Eine davon war die Quelle seiner zukünftigen Inspirationen. Bei der anderen Person handelte es sich auf jeden Fall nicht um die Dienerin der Geisha.
Ja natürlich! Offenbar hatte sie gerade Besuch von einem Kund... Moment! Was war das denn für eine Gestalt?
Der Körperbau dieses "Wesens" erinnerte LaCroix stark an einen Homunculus, ein menschenähnliches Wesen, von dem er in seinem Buch „Legenden des South Blue“ gelesen hatte. Doch was den Newkama wirklich verstörte, war die seltsame Kleiderwahl dieses „Homunculus“. Denn er war komplett in schwarz gekleidet und hatte das Gesicht bis zur Unkenntlichkeit verhüllt.
„Die Schöne und der Müllsack“ schoss es ihm beim Anblick dieses ungleichen Paares durch den Kopf.
Unglaublich, diese Geisha schien sich wirklich für nichts zu schade zu sein und für genügend Geld wohl jede perverse Phantasie zu erfüllen.
Wobei der Newkama wirklich keine Ahnung hatte, was ihr Freier da im Moment für einen merkwürdigen Fetisch auslebte.
Vermutlich handelte es sich um irgendein verrücktes Rollenspiel, dachte LaCroix, während das seltsame Pärchen sich in Bewegung setzte und in entgegengestzer Richtung zur Stadt zur Stadt in die „Wildnis“ marschierte.
Es wäre vermutlich äußerst unpassend, sich ausgerechnet jetzt der jungen Frau vorzustellen und sie beim „Geld verdienen“ zu stören. Ich werde hier einfach darauf warten, bis die Geisha ihren Job erledigt hat und der Kunde glücklich gemacht wurde, dachte LaCroix, ging den Pfad zu ihrem Haus hinauf und klopfte an der Tür.
Mal sehen, was die Dienerin mir über das schlüpfrige Leben ihrer Herrin erzählen konnte.
 

Lace

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Schwer atmend und klatschnass, zum Teil von Schweiß, zum Teil vom Seewasser, kam Lace schließlich zum stehen und musste erst einmal wieder zu Atem kommen. Das hatte doch tadellos funktioniert! So und nicht anders war der Plan gewesen. In die Villa einbrechen, fast getötet werden und dann kopflos und ohne Beute die Flucht ergreifen. Ein albernes Mädchenkichern entschlüpfte ihrer Kehle, gleichzeitig formten sich erschreckend plastische Gewaltphantasien in ihrem Kopf. Diesmal, so schwor sich die Schwarzhaarige, würde sie Sheng umbringen. Mit der Hakenhand strich sie sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Ihre Frisur war ruiniert, ihr Kimono erst recht und der Zustand ihres Make-Ups ließ sich nur erahnen. Das war doch ein bisschen zuviel. Auf ganzer Linie versagen und dann auch noch aussehen wie ein Straßenclown. Teufelsfruchtnutzer hin und oder her, Sheng war so gut wie tot. Keine Fähigkeit dieser Welt konnte aufwiegen, was sie heute Nacht hatte erdulden müssen. Der dumpfe Aufprall eines schlaffen Körpers auf den Waldboden holte sie aus ihrer blutigen Gedankenwelt und brachte sie zurück ins Hier und Jetzt. Aus Reflex ergriff Shitazawa ihr Schwert und hielt die Spitze drohend auf das knapp zwei Meter vor sich stehende Ungetüm gerichtet. Richtig. Das aufrecht gehende, sprechende Monster hatte sie in ihrer Wut fast vergessen. Ruhig, und mit etwas stupiden Blick stand das im Mondlicht bläuchlich leuchtende Ding vor ihr und musterte die junge Frau aus seinen weit auseinander stehenden Augen ebenso wie sie es bei ihm tat. Lace war verunsichert, die ganze Sache war etwas zu skurril für ihren Geschmack. Also versuchte sie es mit Rationalität und stellte die für sie dringlichste Frage.
„Was zum Teufel bist du?“
Das Ding legte den Kopf schief und hatte plötzlich verblüffende Ähnlichkeit mit einem irritierten Hundewelpen. Wenn man den Niedlichkeitsfaktor mal außen vor ließ...
"Bartleby.... und du?"
Lace machte eine fahrige Bewegung mit dem Haken.
„Nein, nein, nicht wer, sonder WAS? Ein sprechender, laufender Fisch? Mal ernsthaft, sowas wie dich gibt es doch gar nicht...das kann nicht...WAS bist du?“
Der Riese machte immer noch ein eher dummes Gesicht. Oder vielleicht war das sein natürlicher Ausdruck? Jedenfalls schien ihn die Frage zu überfordern und der schnellste Denker war er offensichtlich auch nicht.
"Ein Fischme..." Der Blaue schlug sich erschrocken eine Hand vor den Mund, musterte Lace zuerst misstrauisch, dann erstaunt, als wäre SIE hier die Kuriosität und beendete dann seinen Satz „...mensch.“
Shitazawa verstand noch immer nicht. Fischmensch? Was zum Henker sollte das sein? Sie hatte ihre Gedanken noch nicht wirklich geordnet, als unmittelbar neben ihr ein Schuss in den Stamm einer Buche krachte.
„DA SIND SIE!! HIER HER, LEUTE, DA SIND SIE!!“
„Mist...!“
Lace ging hinter einem Baum in Deckung, ihre Gedanken rasten. Scheinbar blieb ihr in dieser Situation nur eine Möglichkeit.
„Hör zu. Ich will hier weg. Lass uns einfach laufen, wir machen euch garantiert keine Schwierigkeiten mehr. Ich verlasse die Insel noch heute, in wenigen Wochen verschwinde ich Richtung Grandline. Du siehst mich nie wieder. Lass Gnade vor Recht ergehen, hä?“
Es war unendlich erniedrigend hier stehen und regelrecht betteln zu müssen, aber was blieb ihr noch übrig? Der angebliche Fischmensch stand wie zur Salzsäule erstarrt im Schatten, unmöglich zu erraten was er dachte.
„BART! Du Schwachkopf! Bist du das? Halt sie auf, du Idiot, wir kommen!“
Vielleicht gab dieser nicht gerade schmeichelhafte Befehl den Ausschlag? Lace wusste es nicht. Jedenfalls ging plötzlich ein Ruck durch den massiven Körper.
„Nimm mich mit.“
„Was...?“
„Nimm mich mit...auf die Grandline...“
Dieses Vieh mitnehmen? Was glaubte er eigentlich mit wem...der nächste Schuss knallte und klatschte in einen Baum.
„Also gut, ja, ja, ich nehm' dich mit, ist okay!“
Über das Gesicht ihres neuen Begleiters huschte ein Lächeln. Er packte Sheng entschlossen und schmiss ihn sich über die Schulter.
„Dann komm.“
Und schon raste er davon in die Dunkelheit.

Und so endete ein nicht gerade ruhmreicher Raubzug. Kein Gold, kein Silber, dafür ein neues Haustier. Es war zum heulen...
Bartelby sei Dank hängte die kleine Gruppe ihre Verfolger schließlich ab. Am Ende fanden sie aus dem Wald heraus, bahnten sich abseits der Straße einen Weg und schafften es knapp zwei Stunden vor Sonnenaufgang zu Laces Feriendomizil. An diesem Punkt der Reise hatte die Diva bereits jedwede Selbstbeherrschung verloren. Wie ein Derwisch raste sie durch die Eingangstür. Nur packen und weg von hier. In der Villa wurde bestimmt gerade alles auf den Kopf gestellt, bald würden Suchtrupps die Umgebung durchstöbern und irgendwann Soldaten an ihre Tür klopfen...und dann saß hier ein blauer Klops und machte jedweden Versuch die Tat abzustreiten zu Nichte.
„TUUUUTTIII!!!“
Die Dienerin kam aufgeräumt von Richtung Terrasse.
„Miss Lace! Da sind sie ja endlich, wir haben einen wirklich ganz reizenden...bei allen Göttern, was ist mit ihnen passiert?“
Der schockierte Blick der Alten verriet Shitazawa alles, was sie über ihr Äußeres wissen musste. Im folgendem Moment passierten mehrere Dinge gleichzeitig. Von der Terrasse betrat ein ihr fremder Mann in auffallend seltsamer Montur und mit einer Teetasse in der Hand den Raum. Sein zuerst gewinnendes Lächeln verzerrte sich zu einer Schmerz erfüllten Fratze, als sein Blick an dem teuren, jetzt mit Morast und Straßendreck befleckten Seidenkimono hängen blieb. Gleichzeitig kam Bartelby hinter Lace durch den Vordereingang. Als Tantchen ihn sah entfuhr ihr ein schrilles, panisches Kreischen und sie warf sich Schutz suchend an den Mann, was alle beide zu Fall brachte. Shitazawa hingegen hatte im selben Moment als sie den Fremden sah ihr Schwert gezogen. Während er noch versuchte die weiter schreiende Tutti von sich los zu kriegen drückte die Piratin ihm bereits die Klingenspitze an die Kehle.
„STILL!“
Tantchen verstummte erschrocken und der fremde Paradiesvogel machte einen langen Hals um den Druck an seinem Adamsapfel zu verringern.
„Wie du vielleicht siehst hatte ich heute keinen besonders angenehmen Tag und um ehrlich zu sein hast du Glück, dass ich überhaupt frage. Wer bist du?“
Ein mörderisches Glitzern stand in den schwarzen Kohleaugen und nur Tutti verhinderte, dass ihre Herrin das tat, was ihr gerade furchtbar in den Fingern juckte. Mit zitternder Stimme, die Augen noch immer auf den Fischmensch in der Diele gerichtet, sagte sie:
„Nein, nein, Miss Lace. Das ist ein Missverständnis. Das ist Herr Voknavi...er kam heute kurz nachdem ihr fort wart...“
 
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Oh mein Gott! Diese Geisha musste es ja wirklich nötig haben! Zuerst verschwindet sie mit diesem wie ein Müllsack aussehenden „Kunden“ in die Wildnis. Dann tut sie dort unaussprechliche Dinge, mit denen sie Schande über sich und die gesamte menschliche Rasse bringt. Anschließend kommt sie zurück und sieht so aus, als hätte sie sich in einer Jauchegrube gewälzt. Doch das schlimmste war immer noch, dass sie nicht alleine zurückgekehrt ist und schon einen neuen Kunden mitgebracht hat, der noch nicht mal ein Mensch ist!

Das zumindest hätte LaCroix gedacht, wenn ihm Tutti nicht vorher erzählt hätte, dass Lace überhaupt nicht mehr als Geisha arbeitete. Stattdessen war sie so eine Art „Geschäftsfrau“, was auch immer das bedeuten sollte. Denn womit „Miss Lace“ jetzt genau ihr Geld verdiente, wollte ihm das alte Mädchen absolut nicht verraten.
Doch im Moment, auf dem Boden liegend und mit Tutti im Arm, stellte sich für LaCroix sowieso eine viel wichtigere Frage:
Warum beginnt oder endet jedes zweite Gespräch damit, dass mir jemand eine Klinge an den Hals hält und damit droht, mich umzubringen?
„Wie wäre es, wenn wir uns erstmal alle beruhigen? Und unsere Waffen wegstecken? Wie Tutti-Frutti eben schon sagte, stelle ich keine Bedrohung dar. Ganz im Gegenteil...“ sagte der Newkama mit einem hinreißenden Lächeln und drückte mit seinem Zeigefinger vorsichtig Laces Klinge zur Seite.
„William Voknavi ist der Name, mit dem ich geboren wurde. Doch heutzutage nennt man mich LaCroix, ... “ sagte der Newkama, während er sich aufrichtete und den Staub von der Kleidung klopfte. „... der strahlend pinke Ritter und Verteidiger der unschuldigen, keuschen Liebe. Aber sag mal mein kleines Dreckspätzchen, was hast du eigentlich heute Nacht getrieben? Als ich dich gestern vormittag sah, warst du noch ein hell leuchtender Stern der Hoffnung und Inspiration, mit einem wunderschönen Puppengesicht und mehr Anmut und Eleganz als jeder andere Bewohner dieser Insel. Doch jetzt, mit dem Wissen, wie du einmal ausgesehen hast, schmerzt es mich in meiner rosanen Seele, dich auch nur eine Sekunde länger zu betrachten.“
Dann erst bemerkte die tuckige Transe Laces blauhäutigen Gefährten und die Augen des Newkama leuchteten auf, so wie bei einem Kind, dem man zum Geburtstag ein äußerst teures Geschenk gemacht hatte.
„Du meine Güte! Wer oder was ist eigentlich dein reizender Begleiter? Er ist mir wegen deiner schrecklichen Erscheinung bisher überhaupt nicht aufgefallen.“
Und ohne Lace die Möglichkeit einer Antwort zu geben ging LaCroix furchtlos auf das „Monster“ zu und fing an, mit dem Zeigefinger gegen dessen muskulöse Brust zu pieksen.
„Was für ein Glück, dass ich hierhergekommen bin. Eigentlich müsste ich mich schon längst für die Abreise fertigmachen. Ein wirklich liebreizender Casinobesitzer hat mir ein Ticket für ein Schiff geschenkt, das heute morgen ablegt“ murmelte die Tunte ein wenig geistesabwesend und überprüfte die Muskeln an den Oberarmen dieses Ungetüms.
„Wirklich beeindruckend. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich so ein Ding schonmal gesehen habe... Aber wo.... wo war das...?“ Dann schlug sich der Newkama mit der Hand vor die Stirn.
„Ja natürlich. Jetzt erinnere ich mich. Ich habe da ein wundervolles Buch, wo jede merkwürdige Kreatur des South Blue beschrieben und anhand einer akkuraten Zeichnung dargestellt wird. Und bei diesem Monster hier handelt es sich eindeutig um einen Wabbajack! Ein Sumpfmonster!“
Nachdenklich massierte die Terrortranse seine Schläfen, um sich an den korrekten Wortlaut aus dem Buch zu erinnern.
„Wie war das noch gleich... Achja!
'Der Wabbajack ist ein äußerst friedfertiges, aber zugleich auch extrem hässliches Monster, dass in den Sümpfen mancher Inseln des South Blue lebt. Von Menschen hält er sich für gewöhnlich fern und ernährt sich hauptsächlich von Insekten und anderen niederen Lebewesen. Über seine Denkfähigkeit streiten sich Experten bis heute, doch die momentan vorherrschende Meinung ist, dass der Wabbajack über keine mit dem Menschen vergleichbare Intelligenz verfügt.'

Jetzt verstehe ich auch, warum mir dein Helferlein nicht verraten wollte, was du hier wirklich machst. Und das erklärt auch, warum du so aussiehst“
sagte LaCroix mit Blick auf das Äußere der Geisha.
„Du bist in Wirklichkeit eine Forscherin, die mystische Kreaturen erforscht und studiert! Dein Äußeres als Geisha ist nur Tarnung und du hast dieses Ungetüm heute Nacht gesucht und gefunden! Aber wie hast du es dazu gebracht, dir zu folgen. Und noch viel wichtiger: Versteht es uns? Kann es überhaupt sprechen?“
Die folgende Frage formulierte der Newkama bewusst einfach und betonte jeden Buchstaben einzeln, damit auch der größte Volltrottel ihn verstehen konnte.
„DUU KÖÖNNNNEENN UUNNSSEERREE SSPPRRAACCHHEE?“
 
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Mit zügigem Tempo schritten Bartleby samt Last in Form von einem bewusstlosen Menschen und seine Begleitung in Gestalt der interessanten Lace durch den dunklen Wald Lumieres. Bis vor Kurzem waren sie gerannt, doch schon seit einigen Minuten hatten sie nichts mehr von den sie verfolgenden Wachen gehört. Noch immer war der Fischmensch sich nicht ganz sicher, warum er so reagiert hatte. Nicht nur hatte er mit dieser Frau geredet, er hatte sich sogar gegen seinen Arbeitgeber gestellt und sie gebeten, ihn mitzunehmen. Bart dachte noch einmal zurück, was er getan hatte. Er hatte realisiert, dass er gesprochen hatte und doch hatte er weiter mit dieser Frau geredet. Warum hatte sie nicht so reagiert wie all die anderen? Diese Frau war echt mysteriös, aber sie wollte auf die Grandline! Als sie das gesagt hatte, waren viele verschiedene Gedanken durch den Kopf des leicht stupiden Arztes gerast. Ja, eigentlich wollte ja der Chef ihn auch wieder nach Hause schicken, aber diese langweilige Arbeit dauerte nun schon Jahre und es war einfach keine Besserung in Sicht. Die Geschminkte wollte schon bald da sein. Ein kurzer Zeitraum. Und Bartleby konnte es nun wirklich nicht länger auf dieser doofen Insel aushalten. Es hatte wirklich Überwindung gekostet, doch es war getan, es war gesprochen worden und tatsächlich hatte sich die Kimonoträgerin bereit erklärt, ihn auf ihrem Schiff mitzunehmen. Bis zum Rande des Anwesens hatte der Fischmensch den Weg führen können, da er sich dank zahlreicher Erkundungstouren dort auskannte. Anschließend musste jedoch wieder die Fremde die Führung übernehmen, da der Arzt schließlich keinen blassen Schimmer hatte, wo sie denn hinwollte. Und so staksten die beiden Flüchtigen eine Weile durch das Unterholz, bevor sie sich schließlich einem kleineren Haus näherten, welches Bart wohl nur klein vorkam, da er die meiste letzte Zeit in dem riesigen Anwesen Macchiavellis verbracht hatte. Irgendwie wirkte seine Begleitung inzwischen weitaus weniger beherrscht oder interessant, sondern für den Moment eher angespannt, aufgeregt oder auch sauer. Genau konnte der Zitteraal-Fischmensch diese Emotion nicht deuten.
Für einen kurzen Augenblick wusste der Arzt nicht, was los war, als er das Domizil betrat, doch dort war eine kleine alte Frau und während schon die Geisha nicht reagierte wie alle anderen Menschen, so tat es doch die alte Oma. Ein lautes, markerschütterndes Kreischen, ja, das war es, was Menschen normalerweise bei seinem Anblick taten. Unwissende, dumme, kleine Menschlein. Sie war nichts besonderes. Es schwappte vielleicht auch ein wenig Befriedigung mit, dass er immer noch diese Wirkung auf viele Menschen hatte. Dagegen dieser Kerl, der da neben der Frau stand, war seltsam. So einen komischen Mann... oder war es eine Frau.... - Bartleby konnte es nicht genau einschätzen – hatte er seit... nunja, seit eben nicht mehr gesehen, denn Lace war noch ebenso ein Rätsel für den Fischmenschen wie der ihn nun komisch anlabernde Mensch. Auch er war schwer geschminkt. Hatte das irgendetwas mit dem Tag zu tun, dass Menschen das machten? Oder waren sie irgendwelche Künstler? Dagegen sprach, dass seine Reisebegleiterin zur Fischmenscheninsel dem anderen ihre Klinge an die Kehle gehalten hatte. Dieses andere Wesen war echt seltsam. Es kleidete sich nicht wie normale Menschen, redete nicht wie normale Männer, dazu viel zu viel, und aus irgendeinem unerkennbaren Grund konnte er nicht die Finger von Barts Körper lassen. Dieser war langsam genervt. Er war Neugierde gewohnt oder argwöhnische Betrachtung, aber dieses Antatschen war ihm einfach zuwider. Was war er, eine Statue? Aber das Ding redete einfach weiter und dann auch noch an ihm vorbei mit dieser Frau, als ob er nicht existieren würde. Bartleby mochte weiß Gott nicht das intelligenteste Wesen auf der Erde sein, doch auch er merkte, dass er hier nicht für voll genommen wurde und als dann diese Frage nach der Fähigkeit zu sprechen auftrat, wie man sie normalerweise bei Schwerhörigen verwendete, platzte dem Arzt der Kragen. Er holte weit aus und ließ seine große Faust in das Gesicht von LaCroix krachen. Klar! Und … ich... bin... ein... Fischmensch! Bartleby war sauer. Er hatte jetzt größte Lust, diesem komischen Vogel ordentlich die Visage zu polieren. Das musste er nun echt nicht auf sich sitzen lassen. Zudem juckte es ihm eh seit der Begegnung mit dem Monsterpus in den Fäusten und dieser schlaffe Sack, den er noch immer auf der linken Schulter geparkt hatte, machte die ganze Sache keinen Deut besser. Also warf er ihn kurzerhand auf das nächstgelegene gepolsterte Möbelstück. Doch das dauerhafte Pech des Schlaffis gepaart mit der Ungeschicklichkeit des Arztes konnte nur darin resultieren, dass der Aufprall heftig genug war, dass die Federung des Sofas den Mann sofort wieder in die Luft und in einem kleinen Bogen auf den Fußboden katapultierte, welchen das Flugobjekt dummerweise mit der Nase voraus begrüßte. In dieser Szene, wo es auch niemanden gejuckt hätte, wenn 20 Meter weiter eine Granate eingeschlagen hätte, interessierte das aber keinen.

Der Fischmensch hatte indes realisiert, dass er schon wieder gesprochen hatte und schlug sich schnell die Hände vor das Maul und blickte sich mit seinen kleinen Glubschaugen fast schon panisch in dem Raum um, doch es schien sich niemand dafür zu interessieren. Die Frau, die ihn zur Grandline bringen wollte, stand nur da und massierte ihre Nasenwurzel und die alte Oma guckte geschockt quer durch den Raum, immer wieder hin und her. Wie ein kleiner Flummi sprang der Blick zwischen dem niedergeschlagenen LaCroix und dem blauen Hünen hin und her. Immer wieder hin und her. Irgendwie fand Bart das äußerst faszinierend und so glotzte er seinerseits Tutti ganz schön blöd an. Wie gewohnt fing dabei sein rechts Auge unkontrolliert an zu zucken, während das linke sich gar nicht bewegte. Sehr seltsame Menschen waren das hier. Nicht so komisch langweilig wie in der Villa. Der Arzt sah noch einmal zu dem komischen Mann mit dem pinken Haar, den er soeben geschlagen hatte. Was war nur los hier? Kannte denn keiner hier Fischmenschen? Da Bartleby sich allerdings immer noch nicht sicher war, ob er nun wieder reden konnte oder sollte oder ob der Mann in pink schon genug hatte, beschloss er, erst einmal abzuwarten was geschah. Allerdings war er dabei immer bereit zum Kampf, sollte es dieser Typ darauf anlegen.
 

Lace

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"Und sie wollen wirklich nur ein paar Stunden raus auf's Meer?"
Der Mann sah skeptisch dabei zu, wie Bartelby mit zwei weiteren Koffern an ihm vorbei über den Bootssteg hinüber zu dem kleinen Segler am Pier stapfte. Es war schon die dritte Ladung, die auf das Boot gebracht wurde und es handelte sich zu einem großen Teil um Laces Habe. Die Piratin stand mit dem Bootsverleiher am Pier und schenkte ihm ihr strahlenstes Lächeln.
"Oh ja! Das Wetter ist doch einfach reizend nicht wahr? Ein kleines Picknick draußen in der Bucht, etwas Champanger..."
Kokett klimperte die Schwarzhaarige mit den Wimpern und versuchte den Mann von dem Offensichtlichen abzulenken - nämlich das sich hier gerade 5 Leute inklusive Gepäck in einem Leihboot einnisteten, welches vielleicht für 3 Mann ausgelegt war. Lace hatte diesen Fluchtweg bereits organisiert, bevor es in Sachen Bonnettraub ernst wurde. Niemand hätte ahnen können, dass sich über Nacht noch 2 zustätzliche Passagiere dazu gesellen würden. Jetzt galt es den Eigner zu beschäftigen, bis sie sicher unterwegs waren. Dem kam die ganze Sache nämlich schon spanisch vor, seit er Bartelby gesehen hatte und wie lange er brauchen würde um zu begreifen, dass er hier gerade bestohlen wurde war nicht abzusehen.
Lace war diese ganze Aktion ernsthaft zuwider, was Bartelby davon hielt war nicht nachzuvollziehen, wenn man mal davon absah das er gerade...
"FISCH! Hör auf die Taue abzulecken!"
Der Riesenaal blinzelte genauso dümmlich wie der Bootsverleiher, der seiner angeblichen Kundin nun einen fragenden Blick zuwarf. Shitazawa setzte erneut ein strahlendes Unschuldslächeln auf, auch wenn es mittlerweile vielleicht eine Spur manisch wirkte.
"Gutes Personal ist ja so schwer zu finden..."
Wenigstens einem schien diese Scharade Freude zu machen. Der Neue, LaCroix, schlenderte Arm in Arm mit Tutti am Wasser entlang und gab eine ureigene Interpretation von 'Der Besuch der alten Dame', wobei Lace nicht einmal hätte sagen können, dass er da gerade eine Rolle spielte. War nun der Fisch oder die Tunte das skurrilste Mitglied ihrer Truppe? Die größte Mimose war zweifelsohne Sheng. Seitdem der Teufelsfruchtnutzer wieder zu Bewusstsein gekommen war jammerte er eigentlich ununterbrochen. Die Schwertkämpferin sah sich ihre angebliche Mannschaft an und dachte darüber nach, ob es schon zu spät war um auf traditionelle Weise Selbstmord zu begehen.
Bartelby kam auf sie zugetapst, während Theodor noch versuchte seinen eigenen Koffer an Bord zu heben, ohne dabei in Körperkontakt mit dem Boot zu geraten. Lace wettete mit sich selbst um 100 Berry, dass er bei der ersten Welle die größer war als 50cm anfangen würde sich zu übergeben.
"Wie es aussieht sind wir nun bereit. Und keine Sorge, wir werden gut auf ihr süßes, kleines Schiffchen aufpassen..."
Gott, sobald sie aus dem Hafen waren brauchte sie dringend eine Pfeife. Die Eigendynamik ihres Piratenabenteuers hatte die Exgeisha etwas überrumpelt. Gut, Sheng, das war ihr eigener Fehlgriff und sie würde sich niemals wieder von der Macht einer Teufelsfrucht blenden lassen. Bei Bartelby spielte die Situation zu ihren Ungunsten, obwohl Lace zugeben musste, dass dieses blaue Vieh mächtig Kraft in seinen schleimigen Armen hatte. Wer konnte schon sagen, wofür er noch gut war. Und LaCroix? Wie es der Pinkhaarige schaffte sich zu ihnen zu gesellen konnte Shitazawa immer noch nicht so recht nachvollziehen. Irgendwie hatte er einfach nur geredet und geredet und geredet. Sogar als Lace ihr Äußeres wieder herstellte stand er ununterbrochen hinter dem Wandschirm und beim Make-Up ließ er es sich nicht nehmen selbst den Pinsel in die Hand zu nehmen. Vielleicht war die Kapitänin in Spee zu verzaubert von seinen perfekt gezogenen Liedstrichen gewesen, jetzt gehört dieser Voknavi jedenfalls dazu - irgendwie. Tutti schien darüber höchst erfreut und benutzte den Paradiesvogel um sich hinter ihm vor Bartelby zu versteckte. Die Alte war davon überzeugt, dass der Fischmann ein Monster aus den Erzählungen ihrer früheren Amme war. LaCroix hatte dafür ausgerechnet einen Narren an Sheng gefressen. Sobald sich eine Gelegenheit bot klapste er dem Tollpatsch mit Anlauf auf den Hintern und Sheng begann panisch nach einer Wechselhose zu kramen, um die Keime, die von LaCroixs Hand auf seine Hose gewandert waren, los zu werden.
"Also dann, los."
"Oh, wie aufregend!"
LaCroix trippelte über den Steg und sprang mit seinen überlangen Fohlenbeinen in aller Selbstverständlichkeit auf das Boot. Lace atmete erleichtert aus. Die Tunte war keine Landratte, also blieb Sheng als einziger Mannschaftstrottel. Sogar Tutti schaffte es ohne Hilfe auf das Boot, nur Theodor musste von Bartelby mit einem ziemlich unsanften Stoß auf das Transportmittel befördert werden.
"Nun...vergessen sie nicht, sie haben das Boot nur für zwei Stunden gemietet und dann brauch ich es auch wieder..."
Dem Verleiher war nicht wohl dabei, aber offenbar fiel ihm kein wirklicher Grund ein, um das Geschäft platzen zu lassen. Das Geld hatte er im Vorraus kassiert, die Leute wirkten zwar schräg, aber eben nicht gerade kriminell schräg.
"Viel Spaß."

"Viel Spaß...", äffte Shitazawa ihn 10 Minuten später nach, während sie am Ruder stand und ihr Gefährt aus dem Hafen lenkte.
"Haben wir nicht vielleicht etwas viel Tiefgang?"
LaCroix warf einen vielsagenden Blick über die Reeling. Natürlich hatten sie zuviel Tiefgang, das Boot war total überladen und das Holz stöhnte regelrecht unter der Belastung.
"Büüürgghhh."
Diese unangenehmen Geräusche kamen von Sheng, der nicht einmal 10 cm Wellen überstand. Bartelby sah ihm fasziniert dabei zu, wie er die Fische fütterte und seine Körperhaltung sprach verdächtig dafür, dass er überlegte einen neuen Geschmack zu testen. Lace verdarb ihm den Spaß.
"Bei Gott, ich schwöre dir, wenn du das tust kannst du nach Rolion schwimmen!"
Der Aal zog enttäuscht den Kopf ein, Theodor göbelte weiter und Tutti reichte ihrer Herrin eine frischgestopfte Pfeife.
"Wieso fahren wir überhaupt noch nach Rolion, Miss Lace?"
"Weil wir uns dort immer noch ein Schiff besorgen müssen. Mit dieser Nussschale kommen wir nie auf die Grandline."
"Aber wir haben immer noch kein Geld."
"Na und? Dieses Boot haben wir doch auch gekriegt."
Tutti seufzte ergeben, LaCroixs Augen leuchteten dagegen begeistert. Lace überlegte angestrengt, ob er vielleicht nur mit bis nach Rolion kommen wollte, aber sie konnte sich beim besten Willen nicht erinnern.
 

Greed

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Fast schon melanchloisch wirkend stand ein fast drei Meter großer, blauer Fischmensch am Heck des kleinen Bootes, welches Lace organisiert hatte, und blickte zurück auf Lumiere, die Insel, auf der er nun so lange Zeit verbracht hatte. Wie lange war es gewesen? Bartleby wusste es tatsächlich nicht mehr, sein Zeitgefühl war irgendwie eingerostet. Aber nach all der Zeit, die er nun hier verbracht oder viel eher vergeudet hatte, war er nun endlich auf dem Weg raus aus dem South Blue und zurück auf die Grandline, Richtung Fischmenscheninsel, nach Hause. Bald würde er seine alte Heimat wiedersehen und auch seinen Mama. Dabei tauchten in seinem Kopf natürlich die Fragen auf, was wohl inzwischen aus der geworden war. Ob wohl sein Vater nach Hause zurückgekehrt war? Das bezweifelte der Arzt ernsthaft, doch man sollte die Hoffnung nie aufgeben. Er drehte den Kopf in Richtung Bug und überblickte die Personen, mit denen er nun auf diesem Klappergestell von einem Boot unterwegs war. Da war einmal die seltsam geschminkte Frau, die in Villen einbrach, eine alte, gebrechliche Frau, die scheinbar ihre Dienerin oder so was war, da sie alles tat, was ihr aufgetragen wurde, der nicht alte, aber dennoch gebrechliche Typ, der die Hälfte der Zeit über der Rehling hing und die andere Hälfte damit verbrachte, auf dem Deck den teilweise von ihm verursachten Dreck wegzuwischen, und der Mann mit den pinken Haaren. Alles waren sie komische Gestalten, wie er sie noch nie zuvor gesehen hatte. Die Menschen in der Villa waren eigentlich immer alle vornehm und fein gekleidet und verhielten sich auch so, doch diese hier waren so anders, dass sie fast einer anderen Spezies angehören könnten.
Immer noch seine Mitreisenden betrachtend schlurfte der Zitteraal-Fischmensch in wenigen Schritten über das ganze Schiff, das sich nicht für fünf Personen ausgelegt war, von denen eine auch noch ein fast drei Meter großer und 175 kg schwerer Fischmensch ist. So neigte sich auch das Boot immer, wenn er sich an einer Seite aufhielt, etwas zu eben dieser Seite, da er doch sicherlich so schwer oder gar schwerer war als Lace, Tutti und Theodor zusammen. Letzterer wäre ein paar Mal schon fast über Bord gegangen, wenn Bart mal die Seite des Bootes gewechselt hatte. Nicht weit unter seinen Füßen konnte der Fischmensch das Meer sehen und einige Fische darin, welche vergnügt umher schwammen. Sofort überkam ihn die Lust, es den Fischen gleich zu tun und er sprang mit einem lockeren Hopser über die Rehling, die für ein Wesen seiner Größe eher eine Stolperfalle darstellte als eine richtige Sicherung gegen das über-bord-fallen. Mit einem großen Platsch landete er im kühlen Nass und war direkt untergetaucht. Vergnügt, endlich mal wieder in seinem Element zu sein, der salzigen See, was ihm so lange verwehrt gewesen war, tollte er ein wenig umher, schwamm ein paar Loopings und Schrauben und sprang wie ein glücklicher Wal aus dem Wasser, nur um direkt wieder darein zu tauchen. Endlich schien sich sein Leben mit diesem Boot wieder vorwärts zu bewegen. Alleine in der letzten Nacht und dem heutigen Tag war mehr passiert als in den letzten Jahren. Doch wie hatte schon der Doc einst gesagt? Man kann nicht immer an einem Ort bleiben, denn das Abenteuer wartet dort draußen auf dich, es kommt nicht und holt dich ab. Theoretisch gesehen... überlegte sich Bartleby... HATTE das Abenteuer in Form der Schwarzhaarigen und dem kleinen Männlein ihn doch tatsächlich abgeholt.
Das merkwürdigste an der ganzen Geschichte war aber immer noch, dass es niemanden gestört hatte, wie er redete... überlegte sich der Fischmensch weiter, während er auf dem Rücken neben dem Bötchen herpaddelte und dabei ab und an den Kopf unter Wasser tauchte und dann eine kleine Fontäne in die Luft spuckte. Dabei fühlte er sich doch tatsächlich fast wie ein richtiger Wal. Aber warum nur störte das keinen? Er hatte sowohl vor Lace und Theodor, wie der kleine Mann wohl hieß, wie auch vor Tutti, was wohl der Name der alten Frau war, und diesem Lakroa oder wie der hieß gesprochen. Niemand hatte sich über ihn lustig gemacht oder ihn darauf angesprochen. Seltsame Menschen... Unterbewusst merkte Bart aber, dass er sich unter diesen merkwürdigen Menschen jetzt schon sehr viel wohler fühlte als es jemals unter den Menschen auf Lumiere der Fall war. Und dabei kannte er diese Truppe erst seit ein paar Stunden.
Plötzlich merkte er, dass er etwas abgedriftet war und da er den Kopf halb unter der Wasseroberfläche gehabt hatte, auch die wütenden Schreie von Lace nicht nicht gehört hatte, die allesamt "Blöder Fisch" und "herkommen" beinhalteten, aber dazwischen mit einer großen Auswahl an unterschiedlichen Flüchen und anderen Ausdrücken besetzt waren. Zum Glück war das Boot noch nicht allzu weit entfernt, deswegen legte sich der Zitteraal-Fischmensch ein wenig in die Riemen und schwamm schnell zu seinen neuen Kameraden zurück, worauf er sich noch eine kleine Standpauke anhören musste. Doch irgendwie war das überhaupt nicht weiter schlimm. Er freute sich auf die nächste Zukunft und auf die Abenteuer, die einem auf Reisen angeblich hinter jeder Ecke auflauern sollten. Was die Meere wohl mit der jungen Crew noch vorhatten?
 

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Was für ein durchgeknallter Haufen! dachte LaCroix, während er am vordersten Teil des Bugs stand, den Blick auf das noch nicht sichtbare Ziel Rolion gerichtet.
Sein usprüngliches Ziel, einfach nur ein paar liebreizende Stunden mit der zauberhaften Lacy „Hakenhändchen“ zu verbringen, hatte er aufgegeben und war stattdessen ihrer „Bande“ beigetreten. Zumindest vorläufig. Denn irgendwann, davon war die Tunte überzeugt, würde der Zeitpunkt kommen, wo selbst die strahlendste Ikone ihren Glanz verlieren und zu alltäglichem Allerlei werden würde. Sobald dies geschehen war, würde LaCroix diese „Crew“ verlassen und wieder seine eigenen Ziele verfolgen. Das lag zum Teil auch daran, dass LaCroix ernsthaft an Lacys Führungsfähigkeiten zweifelte und sie eigentlich nicht als Anführer, sondern eher als ein außergewöhnlich zauberhaftes Modell sah, dass hübsch zu sein und mit ihrer besonderen Aura die Zuschauer begeistern sollte. Von ihrem fehlgeschlagenen Einbruch hatte er zwar nur das nötigste erfahren, aber die Art und Weise, wie das hübsche „Hakenhändchen“ auf ganzer Linie gescheitert war, ließ ihn immernoch schmunzeln und bestärkte ihn in dieser Annahme.
Doch unabhängig davon war er mit der gegenwärtigen Situation und den Leuten, die ihn momentan umgaben, vollkommen zufrieden.
Mit Lacys Helferlein Tutti-Frutti hatte er sich eigentlich von Anfang an verstanden, da die beiden viele Gemeinsamkeiten hatten. Schwieriger war da das erste Zusammentreffen mit Bartleby „Schleckermäulchen“ Fonz abgelaufen, da dieser ihm zur Begrüßung ohne wirklichen Grund seine Faust ins Gesicht geschlagen hatte. Seine Nase tat davon immer noch weh und es war ein Wunder, dass sie nicht gebrochen war. Auch wenn man bei einem solchen Verhalten auf einen grobschlächtigen, primitiven Charakter schließen konnte, so gab es dennoch verschiedene Gründe, die LaCroix über dieses unflätige Verhalten hinwegsehen ließen. Da waren zunächst einmal Bartlebys ungewöhnliches Äußeres und das er der sogenannten Rasse der „Fischmenschen“ angehörte. Doch was die Tunte am meisten faszinierte, war Bartlebys Stimme. Bei so einem großen Muskelberg rechnete man normalerweise mit einem tiefen, männlichen Bass, der seinem Äußeren entsprach. Doch stattdessen sprach der Fischmensch mit der quietschigen Stimme einer unschuldigen Jungfrau, was LaCroix vermuten ließ, dass in Bartlebys Inneren ebenfalls ein rosanes Röslein versteckt war, welches darauf wartete, erweckt zu werden.
Und Monsieur Sheng? Das kleine Angsthäschen war vom Prinzip her ein einziges Trauerspiel, gefangen in einem ewigen Kreislauf aus Panikattacken und Zwangsneurosen. Ob es wohl helfen würde, ihn zu einer Tunte zu machen? Da war sich LaCroix nicht wirklich sicher. Aber war in Shengs Fall nicht jede Änderung eine Verbessrung? Bisher zumindest hatte er auf seine spielerischen Annäherungsversuche immer mit seinem üblicherweise hysterischen Verhalten reagiert.
Aber vielleicht musste man hier hier auch einfach ein wenig direkter werden, dachte der strahlend pinke Ritter und drehte sich nach Monsieur Sheng suchend um. Dieser war gerade dabei, seine Kleidung zum wiederholten Male von unsichtbaren Flecken und Bakterien zu reinigen. Als sich die Blicke von Sheng und LaCroix trafen, lächelte der Newkama seinem Opfer verführerisch zu und ließ dann einen gehauchten Kuss in seine Richtung fliegen. Shengs Augen weiteten sich dabei vor Schreck, bevor er sich über die Reeling beugte und erneut dem Gott des Meeres ein Opfer darbrachte.
Ich nehme jetzt einfach mal an, dass dieser „Gefühlsausbruch“ durch den Seegang verursacht worden war und nicht durch meinen verführerischen Kussmund.
Kopfschüttelnd drehte sich der Newkama wieder um.
Naja, egal. Hoffentlich dauert die Reise nicht allzu lange.

„Sind wir schon da?“
 
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